Neue Forschungen zum mittelalterlichen Stuckdekor von St. Michael in Hildesheim

Interdisziplinäre Tagung des Hornemann Instituts der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen
zusammen mit dem Verband der Restauratoren und der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

17. März 2026 | ab 9.00 Uhr, Hildesheim, HAWK und Michaeliskirche

Die ehemalige Klosterkirche St. Michael in Hildesheim, die seit 1985 zum UNESCO-Welterbe zählt, wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts umfassend mit Stuckdekor modernisiert: Erhalten haben sich davon im südlichen Seitenschiff die Figuren der Seligpreisungen und die Ornamente in den Laibungen der Arkadenbögen (von 1160/80) sowie in der Westvierung die nördliche Chorschranke einer Schrankenanlage (Ende des 12. Jahrhunderts).

Zudem zeugen 250 magazinierte Stuck-Fragmente aus Grabungen von 1870 bis 2006 von einer aufwendigeren Gestaltung der Kirche im Mittelalter: Sie stammen entweder von den Seligpreisungen, den Laibungen der Arkadenbögen, einem abgenommenen Fries, den beiden abgebrochenen Schranken der Chorschrankenanlage oder anderen Stellen im Kirchenraum. Diese Fragmente waren Thema eines mehrjährigen, von der Beate und Hans Peter Autenrieth Stiftung finanzierten, interdisziplinären Forschungsprojekts

Ziel der Tagung war, einen großen Teil der Projekt-Ergebnisse vor dem Druck der Abschlusspublikation zur Diskussion zu stellen, da sowohl innerhalb der Kunstgeschichte wie auch innerhalb der Restaurierung unterschiedliche Meinungen vertreten werden. Es ging vor allem um die Werktechnik, die Polychromie und die Analyseergebnisse gehen. Zudem wurden die Geschichte der Fragmente seit ihrer Auffindung erläutert und neue Rekonstruktionen für die Chorschrankenanlage vorgestellt. Über die Michaeliskirche hinaus wurde thematisiert, wie man mit Fragmenten aus verschiedenen Fundkomplexen und Überlieferungen umgeht, aber auch die Möglichkeiten der unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Analysemethoden und der 3D-Technik sowie die Verfeinerung der restauratorischen Untersuchungsmethoden in den letzten 30 Jahren präsentiert. Schließlich luden die Befunde dazu ein, über unsere Vorstellungen der Werkstattprozesse im Mittelalter zu diskutieren.    

Nach den Vorträgen bot am Nachmittag ein „Markt der Möglichkeiten“ in der Michaeliskirche die Gelegenheit, sich unter restauratorischer Führung die Stuckaturen und mehrere Fragmente unter dem Mikroskop anzuschauen. Um die Chorschranke herum wurde ein begehbares Gerüst aufgestellt, so dass in Ruhe vor dem Objekt diskutiert werden konnte. Zudem konnte man sich von Expert*innen weitere Ergebnisse des Projekts erläutern lassen (Röntgenfluoreszenzanalyse, 3D–Dokumentation) oder sich persönlich über das geplante Monitoring des Welterbes informieren. Schließlich standen die Vortragenden für persönliche Gespräche über ihre Befunde und ihre Interpretationen zur Verfügung.

Die Tagung wurde gefördert durch Mittel aus zukunft.niedersachsen.

 

Presseresonanz

Kontakt

  • +49/5121/408-179
  • +49/5121/408-185
  • Keßlerstr. 57
    (Raum HIJ_)
    31134 Hildesheim